Galerie im Druckhaus Waiblingen 2005
 

 

 

 

Eine Kunst ohne Erlösungsversprechen

Die auf dankbare Weise nüchternen Glasbilder von Albrecht Pfister im Zeitungshaus Waiblingen

Die Kirchenbauer wissen schon, warum sie Fenster nicht einfach Fenster sein lassen, sondern zur Verkündigung nutzen. Wenig ist so wirkmächtig,
so übernatürlich wie ein mit Farbe und Licht aufgeladenes Glas. Das funktioniert auch bei freien, nicht mit Religion gekoppelten Arbeiten, zeigt eine
Ausstellung jetzt im Waiblinger Zeitungshaus.

 

 

Albrecht Pfister ist kein Unbekannter hier im Kreis. Er, ein Schüler des Buocher Glasmalers und Akademieprofessors Hans Gottfried von Stockhausen, ist immer wieder mal bei Schauen des hiesigen Künstlerverbands vertreten. Dann mit einzelnen Arbeiten, Glasobjekten. Erst jetzt, durch das Ausbreiten können über vier Stockwerke hinweg, und vor allem durch das spannungsvolle Gegeneinandersetzen von Malerei auf Leinwand, auch Pfisters Metier, und Malerei auf Glas, ist das Vergleichen möglich, Eine Erkenntnis dabei: Es ist gut, wenn die Malerei Acryl auf Leinwand gleich gar nicht so tut, als könne sie diesen Grad an Transzendenz eines Glasbildes erreichen. Also die Vision oder auch Illusion, dass sich hinter der sichtbaren Welt ein erstrebenswertes Jenseits auftut. In dieser Kunst der Vorspiegelung ist das Glasbild nun mal einzigartig, sowieso unerreichbar. Pfister weiß dies, und will deshalb auch gar nicht auf Altmeister-Art blenden. Er versucht es nicht mit Lasuren und Tinkturen, will nicht mehr Tiefe in die Leinwandbilder zaubern, als in ihnen je liegt. Sicherlich: er arbeitet mit Schichtungen und Nu­ ancen in der Peinture. Er trägt das Material auch mal erhaben auf bis zum Flachrelief. Und Wischspuren an den abstrakten Figuren deuten an, dass diese Wesen von nicht fragiler Gestalt sind. Wie aber zur Verankerung, zur Versicherung im Hier und Jetzt,

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

zeichnet und malt Pfister in einem akkuraten Akt diesem Gewölk Strukturen ein. Recht strenge, geometrische Zeichen und Kürzel, die aus dem Ungefähren herausführen ins Konstruktive. Also das gerade Gegenteil einer Überwältigungsrhetorik, die rein auf den Glauben an das Göttliche (in der Kunst) setzt. Diese regelrecht wach machende Irritation ist Pfisters Stärke als Bemaler der Leinwand. Und sie zeichnet ihn auch als Glasmaler aus. Fast so, als ob er der überbordenden Strahlkraft der lichthinterfangenen Farbflächen Einhalt gebieten will, zwingt er sie in ein Korsett aus Edelstahlstäben, dabei die altertümelnde Anmutung von Bleiruten vermeidend. Die Bleifassung kennzeichnet nun mal das Kirchenfenster. Manche der Stäbe führen tangential übers Objekt und brechen auch mal jäh ab. Hier wird nicht einfach behauptet, dass hinter diese Scheibe gleich die Erlösung wartet. Vielleicht könnte das eine kleine Botschaft von Pfis- ters Arbeiten sein: Wir müssen uns alles selber erarbeiten. Auch die Kunst.

Von unserem Redaktionsmitglied JörgNolle
Waiblinger Kreiszeitung 16.04.2005

Info _____________________

Noch bis zum 1. August,
montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr.